Montag, 21. Oktober 2019

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Chronik

Auszug aus der Festschrift zum 120jährigen Gründungsfest, zusammengestellt von Franz Schuler.

 

Am 29. Juni 1875 teilte Bürgermeister Wimmer aus Wasentegernbach dem Königlichen Bezirksamt Erding die Gründung einer Feuerwehr mit. Bei der Gründungsversammlung waren 43 Aktive anwesend. Zum Vorstand wurde Franz Wimmer, Herrnbauer von Wasentegernbach, zum Hauptmann Lorenz Dobler und zum Spritzenmeister Josef Loipführer gewählt. Dabei wurden auch Statuten aufgestellt, die 14 Punkte umfaßten und von der Freiwilligen Feuerwehr Fraunberg übernommen wurden. Eine Vorstandschaft (Verwaltungsrat) bestand damals aus Vorstand, Hauptmann, Adjutant, Fahenjunker, Spritzenmeister und drei Zugführern. Anstelle der Sirene blies der Hornist auf dem Feuerwehrhorn.

 

In den Jahren 1875 bis 1881 herrschte ein reger Schriftverkehr zwischen der Feuerwehr und dem Königlichen Bezirksamt Erding. Mehrmals im Monat wurden Briefe gewechselt. Einige Beispiele daraus:

Vorstand Wimmer beschwerte sich über die Grüntegernbacher und brachte sie zugleich zur Anzeige, "weil diese damals noch selbst ohne Wehr, bei Übungen über sie spöttelten" (Zitat).

 

Mehrmals beklagte sich Wimmer über Bürgermeister Wagenlechner aus Großkatzbach und andere Bürger, die aufwiegelten und die Auflösung der Feuerwehr forderten, oder weil die Gemeinde nicht bereit war, Leitern und Helme zu kaufen. Sie glaubten, daß eine Freiwillige Feuerwehr nicht notwendig sei, da es auch noch die Pflichtfeuerwehr in Dorfen gab. Im Jahre 1877 lehnte Simon Stettner aus Polding die Wahl zum Vorstand wegen geringer Wahlbeteiligung ab. Zwei Wochen später übernahm Kaspar Brandlhuber aus Kirchstetten dieses Amt.

Trotz aller Querelen wurde im Juli 1878 ein Feuerwehrhaus beantragt, da die Stadltenne des Gasthofes Pitzer wegen Hochwassergefahr nicht der geeignete Unterstellplatz für die Spritze war.

 

Nach einem Brand 1878 in Dorfen wurde die hiesige Wehr wegen mangelnder Einsatzbereitschaft gerügt: Als die Feuerwehrmänner zur Brandstelle unterwegs waren, versperrte ihnen eine nicht passierbare Brücke den Weg, von der sie jedoch vorher schon Bescheid wußten. Sie ließen die Spritze im Moos stehen und gingen zu Fuß weiter.

 

Im Jahre 1879 sorgte das genehmigte Feuerwehrhaus für viel Aufregung. Bürgermeister Wagenlechner wollte es nach Großkatzbach bauen, worauf er vom Bezirksamt eine Abfuhr bekam. Nach dessen Meinung gehörte ein Feuerwehrhaus in die Mitte der Gemeinde, somit nach Wasentegernbach.

 

In arge Nöte kam in dieser Zeit die Wehr bei Einsätzen. Die Bauern vom Ort wollten ihre Pferde nicht für den Spritzentransport zur Verfügung stellen. Aus diesem Grund gab es nach einem Brand in Großkatzbach den nächsten Ärger. Sie war nur als vierte am Einsatzort. Kaspar Brandlhuber aus Kirchstetten mußte nämlich erst nach Wasentegerbach reiten, um die Spritze zu holen.

 

Am 9.10.1879 meldete der Vorstand dem Bezirksamt die Fertigstellung der Mauerarbeiten am Feuerwehrhaus.

 

1880/81 gingen immer wieder Beschwerden des Bezirksamtes wegen schlechter Übungsbeteiligung ein. Von den Jahren 1882 bis 1902 liegen keine Aufschreibungen vor. 1903 wurde bereits eine Christbaumversteigerung durchgeführt

 

Aus einem Polizeibericht des Jahres 1904 geht hervor, daß im Februar ein Vereinsball, nur für Vereinsmitglieder, abgehalten wurde. Die Musik spielte ab 16 Uhr, der Ball dauerte bis 23 Uhr. Gegen 17 Uhr wurde ein Pferderennen veranstaltet. Zu diesem Ball wurden auch die Feuerwehren aus Schwindkirchen, Schwindegg und Schiltern eingeladen (Eintritt 70 Pfennig). Laut Schreiben wurde diese Veranstaltung seit mehreren Jahren durchgeführt. Kommandant und Bürgermeister war damals Franz Bauer.

 

Von den Jahren 1905 bis 1950 ist leider sehr wenig zu erfahren:

 

Von 1921 bis 1946 war Anton Richinger aus Bergham Kommandant. Unter seiner Führung wurde während des 2. Weltkrieges mit Stießbergers Opel Blitz zu mehreren Einsätzen nach München gefahren. Die Spritze, welche damals im Einsatz war, wurde anfangs der dreißiger Jahre angeschafft.

Ab 1946 wurde dessen Sohn Michael Kommandant. Währen seiner Amtszeit wurde das erste Leistungsabzeichen abgelegt. Vorstand war damals Bürgermeister Franz Strasser aus Wasentegernbach.

 

Am 5. Juni 1955 fand die Weihe unserer Vereinsfahne statt. An diesem herrlichen Tag war Maria Gruber die Fahnenmutter, Marianne Greimel die Fahnenbraut und Josef Bauer Fahnenjunker. Im selben Jahr wurde auch unsere jetzige Motorspritze eine TS 8/8 gekauft. Den dazugehörigen TSA (Tragkraftspritzen-Anhänger) erhielten wir 1961.

1966 wurde Josef Stehbeck neuer Kommandant. Mit ihm erlebte die Feuerwehr einen gesellschaftlichen Aufschwung. Unter anderem wurden die ersten Sommerfeste abgehalten.

 

 

Der 11.9.1970 brachte uns den längsten Einsatz. Es brannte beim Maier in Kraham. Wir waren 27 Stunden im Einsatz, wobei uns unsere Spritze nicht im Stich ließ.

1971 beschloß man, im Jahre 1973 das 100-jährige Gründungsfest zu feiern.

Am 23./24. Juni 1973 feierten wir nach langen Vorbereitungen das 100-jährige Gründungsfest. Trotz ungünstiger Witterung kamen jede Menge Gäste. Sowohl der Heimatabend, bei dem der Trachtenverein, die Hinterskirchner Buam und einige einheimische "Künstler"mitwirkten, als auch der Gottesdienst und Festzug waren ein voller Erfolg. Festmusik war an beiden Tagen die Trachtenkapelle. Der Bierpreis betrug DM 2.50.

 

1975 trat Vorstand Nikolaus Lohmaier zurück, sein Nachfolger wurde Hans Probst. Im August des selben Jahres beteiligte sich unsere Wehr mit zwei historischen Spritzen am Kreisfeuerwehrtag in Erding. Josef Nitzl mit Lanz Buldogg und Handspritze war landesweit in den Zeitungen zu bewundern.

Am 10.1.1976 wurde unser altes Spritzenhaus dem Erdboden gleichgemacht.

Was 1977 nur ein Versuch war, ist heute nicht mehr aus unserem Vereinsleben wegzudenken. Es ist die Christbaumversteigerung, immer eine feuchtfröhliche Veranstaltung.

 

1977 bekamen wir unser (derzeitiges) Feuerwehrauto. Es ist ein Tragkraftspritzen-Fahrzeug (TSF), Marke Ford Transit. Es war einst der Stolz unserer Wehr.

Am 30. September 1978 konnte nach zweieinhalbjähriger Bauzeit unser Feuerwehrhaus seiner Bestimmung übergeben werden. Neben Pfarrer Wandinger, der unsere "Löschzentrale" einweihte, war auch viel Prominenz anwesend. Darunter der damalige Landrat Hans Zehetmair.

 

1979 durften wir Pate bei der Fahnenweihe unserer Nachbarwehr Grüntegernbach sein. Am 3. Februar mußten die Grüntegernbacher beim Wagner Wirt kniend um die Patenschaft bitten. Am 9./10. Juni feierten wir dann in Güntegernbach die Weihe der neuen Fahne mit. Unsere Wehr war natürlich der Verein mit den meisten Teilnehmern.

 

 

 

1981 wurde mit großer Mehrheit der Kauf neuer Ärmelabzeichen beschlossen. Wir entschieden uns für ein blaues mit dem Wasentegernbacher Wappen.

1985 erklärte Kommandant Josef Stehbeck nach 19 Jahren seinen Rücktritt. Sein Nachfolger wurde Franz Bauer. Stehbeck wurde Vorstand anstelle von Franz Strasser.

 

Ein Alarm 1987 machte uns besonders zu schaffen. Die Sirene heulte nachts um 3 Uhr ca. 20 Minuten. Ursache: ein defekter Feuermelder.

1989 gab Vorstand Josef Stehbeck seinen Rücktritt bekannt. Nach längerer Debatte wurde dessen Sohn Sebastian sein Nachfolger.

1990 haben wir den Vereinsstatus EV (Eingetragener Verein) erhalten.

1992 beschlossen wir, unser Feuerwehrhaus aufzustocken wir wollten darin einen Schulungsraum und Toiletten einrichten. Dies wurde jedoch von der Stadt Dorfen abgelehnt, trotz unseres Angebotes, das Bauvorhaben in Eigenleistung durchzuführen.

Am 19.7.1993 faßten wir dann den Entschluß, 1995 in Verbindung mit unserem 120-jährigen Gründungsfest eine neue Standarte zu weihen. Bald darauf wurde ein Festausschuß gebildet.

Zu Beginn des Jahres 1995 kam die "heiße Phase" der Vorbereitungen. Unzählige Festausschußsitzungen und Besprechungen fanden in dieser Zeit statt. In der Woche vor dem großen Ereignis wurde die Arbeit immer mehr und deshalb die Nächte immer kürzer. Doch pünktlich zum Festbeginn waren die notwendigen Vorbereitungen erledigt und auch Petrus hatte Einsicht mit uns und drehte den Wasserhahn zu. Das Dorf war herausgeputzt und die Häuser prächtig geschmückt.

 

Es war soweit! Das 120jähriges Gründungsfest mit Fahnenweihe der FW Wasentegernbach vom 26. bis 29. Mai 1995 konnte beginnen.

Das Spektakel wurde am Freitag von "Herbis Original Alpenmafia" eröffnet. Die Stimmung war riesig und so mancher ging erst im Morgengrauen nach Hause. Leider kamen nur ca. 300 Besucher.

Nach dem Kriegerjahrtag in unserer Filialkirche und dem Totengedenken am Samstag abend ging es, angeführt von der Trachtenkapelle, zur Festhalle (Gruberhalle). Dort fand ein Heimatabend statt. Franz Holzner aus München konnte zahlreich Gäste aus nah und fern begrüßen. Gestaltet wurde dieser Abend vom Trachtenverein Wasentegernbach durch verschiedene Tänze, Plattler, Musikeinlagen und einem Theaterstück.

Am Sonntag, dem eigentlichen Festtag, begann die Trachtenkapelle, begleitet vom Festausschuß, ab halb sechs Uhr mit dem Weckruf.

Zu dem von Pater Maximilian Bauer zelebrierten Festgottesdienst kamen fast 2000 Besucher. Pünktlich um 14°° Uhr begann unser großer Festzug durch den Ort. Fünf Musikkapellen (Trachtenkapelle, Musikkapelle St. Wolfgang, -Eibach, -Altmühldorf und -Schwindegg), 75 Vereine, ein alter Lanz-Bulldog Bj. 1900, sowie 3 Pferdegespanne beteiligten sich daran. Den zahlreichen Festbesuchern wurde ein großartiger Festzug geboten.

Zum Abschluß dieses gelungenen Festes fand am Montag, den 29.05., der Kreisbauerntag statt, ca. 1000 Gäste kamen zum Referat von Senator Franz Kustner.

 

2000 - 2010 Bereits des öfteren war überlegt worden, das Flachdach zu entfernen. Nachdem nun die Sanierung anstand, einigten wie uns mit der Stadt Dorfen, das erneuerungsbedürftige Flachdach durch einen zeitgemäßen Dachbau zu ersetzen.

Dadurch wird gleichzeitig Platz für die Ausstattung im Erdgeschoß und Platz für einen Mannschaftsraum im Obergeschoß geschaffen. Die Arbeitsleistung wollten wir selbst erbringen, die Kosten für Material in Höhe der Kosten für dei Flachdachsanierung übernahm die Stadt Dorfen. In unzählichen Stunden wurden Mauerwerk und Dach gebaut, die Innenausstattung auf Vordermann gebracht, die Aussenanlagen erneuert, und das Haus mit einem neuen Anstrich versehen. Am 07. Mai 2006 war es dann soweit: Das Feuerwehrhaus wurde in seiner neuen Form eingeweiht. Zahlreiche Feuerwehren, die Ortsvereine und Gäste aus Nah und Fern feierten mit uns. Nach der Fertigstellung galt es, das neue Haus auch mit neuem Inhalt zu füllen: Als das TSF Marke Ford-Transit das stolze Alter von 30 Jahren erreichte, war die Zeit gekommen für Ersatz zu sorgen. Auch wenn die Sanierung des Kirchturms Wasentegernbachs für einen kleinen Aufschub sorgte, wurde 2009 die Ausschreibung fertiggestellt, und vor Weihnachten erhielten wir das neue Fahrzeug.

 

 

"Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr!"

Unter diesem Motto versammeln sich die knapp 100 Vereinsmitglieder nicht nur zu den Einsätzen sondern auch zu den Festbesuchen. Das Motto ziert auch die Standarte, die beim Gründungsfest 1995 neu beschafft und geweiht worden war.